Ein instabiler Stablecoin mag zwar ein Widerspruch in sich sein. Trotzdem: Die Bezeichnung “Stablecoins” ist trügerisch, denn auch sie sind nicht immer stabil. 

Dezentrale Kryptowährungen wie Bitcoin weisen überdurchnittlich hohe Volatilität auf, weshalb sie sie kaum als Zahlungsmittel verwendet werden. Um dieses Problem zu lösen wurden Stablecoins entwickelt, digitale Währungen, deren Wert auf der Preisentwicklung eines stabilen Assets beruht. 

Im Prinzip ist ein Stablecoin nichts anderes als der US-Dollar des frühen 20. Jahrhunderts, nur eben in digitaler Form. Damals galt der Goldstandard, wodurch jeder ausgegebene Dollar an eine fixe Menge Gold gebunden war, um die Stabilität der Währung zu gewährleisten.

Stablecoins folgen dem gleichen Prinzip: Den Kryptowährungen unterliegt ein bestimmter Vermögensgegenstand als Basiswert, zum Beispiel ein Edelmetall, eine Fiat-Währung wie der US-Dollar oder der Euro, oder Immobilien, um hohe Kursschwankungen wie bei Bitcoin zu vermeiden. Der derzeit prominenteste Stablecoin ist die an den US-Dollar gebundene Währung Tether (USDT).

Stablecoins sind nur so stabil wie ihr Basiswert

Aber wie stabil sind diese Stablecoins wirklich? Zunächst einmal sind sie nur so stabil wie das zugrundeliegende Asset – und sowohl Währungen als auch Edelmetalle können stark im Wert schwanken, Immobilien erst recht. 

Neben den Wertschwankungen des zugrundeliegenden Assets weichen die Preise von Stablecoins aber auch regelmäßig von ihrem Basiswert ab. Das liegt vor allem an schwankenden Handelsvolumen. 

Dazu untersuchte die Research-Firma Santiment die Standardabweichungen verschiedener Dollar-basierter Stablecoins von ihrem Erwartungswert – in diesem Fall ist der Erwartungswert 1 US-Dollar. 

Quelle: Santiment, Inc. 

Die Daten zeigen, dass Tether in diesem Zeitraum relativ stabil blieb. BitUSD hingegen wies mit 2.5% eine deutlich höhere Standardabweichung auf. Ganz so stabil sind Stablecoins also auch nicht. 

Trotzdem sind sie ein deutlich stabileres Instrument als dezentralisierte Kryptowährungen. Bei Bitcoin kamen beispielsweise bereits Wertschwankungen von mehr als 20% innerhalb eines einzigen Handelstages vor. 

Von 24 gescheiterten Stablecoins basierten 16 auf Gold

Santiments Analyse bezieht sich auf Dollar-gebundene Stablecoins, also ein relativ stabiler Basiswert. Gold-gebundene Stablecoins weisen höhere Wertschwankungen auf. Zum einen ist Gold selbst ein volatiles Asset. Zum anderen werden Gold-Stablecoins auch durch zusätzliche Fragestellungen verkompliziert, wie zum Beispiel die sichere Verwahrung des Goldes. 

Auch das Argument, Gold sei ein stabilerer Vermögensgegenstand als Fiat-Währungen, da es nicht der staatlichen Geldpolitik unterliegt, ist so nicht richtig. Staaten verfügen zum Teil über enorme Goldreserven und keiner weiß, wie sie im Fall einer Wirtschaftskrise damit umgehen werden. 

Außerdem gläntzten Gold-basierte Stablecoins in der Vergangenheit nicht unbedingt mit einer herausragenden Performance. Bislang sind 24 Stablecoins gescheitert, 16 davon basierten auf Gold.

Auch wer in Stablecoins investiert, muss seine Hausaufgaben machen 

Stablecoins erfordern außerdem die Verwaltung durch eine zentrale Instanz. Anders als bei dezentralen Kryptowährungen wie Bitcoin, muss die Reserve des Basiswertes nämlich gemanagt werden. Anleger verlassen sich somit auf die Management-Praktiken eines Privatunternehmens. 

Das hat in der Vergangenheit bereits mehrfach zu Problemen geführt: So geriet zum Beispiel Tether Mitte 2018 in Schieflage, als das ausgebende Unternehmen nicht nachweisen konnte, dass die gesamte Tether-Zirkulation tatsächlich von US-Dollars gedeckt war. Der Preis der Währung rutschte zwischenzeitlich auf $0,86 ab. 

Klar ist, Stablecoins eignen sich weitaus besser als Zahlungsmittel oder Wertspeicher im Vergleich zu dezentralen Währungen, aufgrund der geringeren Volatilität. Trotzdem müssen Anleger aufpassen. Die zentralen Fragestellungen für Stablecoin-Anleger sind: Wie stabil ist das zugrundeliegende Asset und wie vertrauenswürdig ist die ausgebende Instanz? Beide Fragen sollten vor einem Investment auf jeden Fall geklärt werden.