Auch der Bitcoin-Preis leidet unter dem Corona-Virus. Das widerlegt aber nicht Bitcoins Funktion zur Krisenabsicherung, denn Safe-Haven-Assets gewinnen nicht pauschal in jeder Krisensituation sofort an Wert.

Dieses Argument liest man oft in den einschlägigen Krypto-Medien: In Krisenzeiten diene Bitcoin als sicherer Hafen, denn das Asset sei unkorreliert mit anderen Anlageklassen und eigne sich somit zur Absicherung vor Wirtschaftskrisen. In diesem Zusammenhang sprechen Analysten auch vom „digitalen Gold“ und weisen Bitcoin damit ähnliche Eigenschaften wie dem Edelmetall zu.

Tatsächlich hat sich dieses Argument auch schon mehrfach bewahrheitet. Als beispielsweise im Januar 2020 die Tötung eines iranischen Generals Ängste vor einem Krieg mit den USA auslöste, schnellte der Bitcoin-Preis kurzfristig nach oben.

Während der Iran-Konflikt mittlerweile wieder abgeflacht ist, steht die Welt(wirtschaft) bereits vor einer neuen Bedrohung: Das Corona-Virus hat die Märkte in den vergangenen Tagen stark in Mitleidenschaft gezogen – der DAX verlor innerhalb einer Woche mehr als zehn Prozent an Wert. Und Bitcoin? Ebenfalls mehr als zehn Prozent im Minus. Wie passt das zusammen? Sollten Anleger nicht gerade jetzt Bitcoin kaufen?

Während einer Marktpanik verlieren alle Anlageklassen an Wert

Bitcoins Reputation als sicherer Hafen in Krisenzeiten basiert auf der Unkorreliertheit mit anderen Anlageklassen. Das heißt, die Renditen anderer Anlageklassen wirken sich (fast) nicht auf die Rendite des Bitcoins aus und umgekehrt. Das heißt aber nicht, dass Bitcoin und andere Anlageklassen nicht in manchen Fällen auch gleichzeitig an Wert verlieren können.

Bei einer akuten Marktpanik verhalten sich nämlich sämtliche Anlageklassen gleich: Anleger ziehen ihre Gelder ab und fliehen vorübergehend in Cash-Positionen. Dabei sind zyklische Werte wie Automobilhersteller zwar stärker betroffen als antizyklische Werte wie Gold. Trotzdem sind meistens beide im roten Bereich. So hat zum Beispiel auch Gold vergangene Woche mehr als vier Prozent an Wert verloren.

Die Safe-Haven-Eigenschaften werden sich erst nach der Krise zeigen

Anfang des Jahres war der Ausbruch des Corona-Virus bereits in vollem Gange. Trotzdem stieg der Bitcoin-Preis noch bis Mitte Februar an und durchbrach sogar die psychologisch wichtige 10.000-US-Dollar-Marke.

Mittlerweile hat die Krise aber ein solches Ausmaß erreicht, dass chinesische Investoren womöglich zum Verkauf ihrer Bitcoin-Bestände gezwungen sind. Da der chinesische Markt für den Bitcoin-Preis eine zentrale Rolle spielt – sowohl auf der Nachfrage- als auch auf der Angebotsseite – hat das Corona-Virus einen unmittelbaren Einfluss.

Das Safe-Haven-Argument ist durch Bitcoins Kursverluste aber nicht widerlegt. Es macht nämlich einen Unterschied, ob eine politische Krise wie der US-Iran-Konflikt zur Verunsicherung der Märkte führt oder ob mehr als eine Milliarde Menschen direkt von einer Krisensituation betroffen sind und deshalb Gehaltsausfälle erleiden und Geld für Hamsterkäufe beiseite legen. Auch sichere Häfen werden also nicht pauschal in jeder Krisensituation sofort an Wert gewinnen.

Tatsächlich könnte Bitcoin aber im Nachgang der Krise starke Kursgewinne verzeichnen, denn wenn sich der erste Schock gelegt hat, profitieren antizyklische Werte, nachgelagert, von ihren Safe-Haven Eigenschaften. Sollte es zum Beispiel in den nächsten Wochen oder Monaten zu geldpolitischen Eingriffen durch die Notenbanken kommen, um eine Rezession zu vermeiden, dann könnte das anti-inflationären Assets wie Bitcoin sehr wohl zugute kommen