Makroökonomische Ungleichgewichte könnten in den nächsten ein bis zwei Jahren zur Implosion des US-Dollars führen, sagt ein führender Ökonom. Krypto-Assets könnten dann im Wert steigen.  

Der US-Dollar werde massiv abwerten, sagt der Yale-Professor und ehemalige Morgan Stanley Asien-Chef Stephen Roach. 

„Der Dollar-Crash wird in den nächsten ein bis zwei Jahren stattfinden, vielleicht dauert es etwas länger. Ein Crash ist jedoch unausweichlich“, sagt Roach. Er geht davon aus, dass der US-Dollar gegenüber anderen führenden Währungen um 35 % abwerten werde. 

“Tödliche” Kombination: Wirtschaftskrise und Protektionismus

Laut Roach seien makroökonomische Ungleichgewichte in den USA zwar schon länger ein Problem, durch die Coronakrise würden diese nun aber noch verschärft. „Wir entwickeln uns von schlecht zu sehr schlecht“, sagt Roach.

Er verweist beispielsweise auf die niedrige inländische Sparquote und das staatliche Haushaltsdefizit. Durch die COVID-Krise ist die Arbeitslosigkeit gestiegen, wodurch noch weniger gespart und weniger konsumiert wird. Außerdem belasteten die Hilfsprogramme den Staatshaushalt zusätzlich zum ohnehin schon problematischen Verschuldungsgrad.

Dazu komme, dass die amerikanische Politik zunehmend protektionistisch agiere und versuche, sich vom Rest der Welt abzukapseln. Roach spricht von einer „tödlichen Kombination“. 

Stagflation wie in den 70er Jahren?

Für Anleger sei die Abwertung des US-Dollars gefährlich. Zwar profitieren Exportunternehmen von einem schwächeren Dollar, den Effekt hält Roach aber für marginal. Stattdessen sieht er die Gefahr steigender Inflation, denn US-Unternehmen müssten Güter aus dem Ausland dann zu höheren Preisen kaufen. 

Roach zieht einen Vergleich zur ökonomischen Situation in den USA in den 1970er Jahren. Damals litt die amerikanische Wirtschaft unter einer Stagflations-Krise, das heißt, Konsumgüterpreise steigen während gleichzeitig die Wirtschaft nicht mehr wächst. 

Auch ein möglicher Regierungswechsel nach den Präsidentschaftswahlen im November könnte daran kaum etwas ändern, sagt Roach. Die Politik habe auf eine ökonomische Disruption dieser Größenordnung keine Antwort.

Krypto-Märkte könnten vom Dollar-Crash profitieren

Wenn die Unsicherheit in Fiat-Märkten steigt, werden Krypto-Assets attraktiver. Auch Roach sagt, Kryptowährungen könnten von einem US-Dollar Crash profitieren. Gleichzeitig sei die Anlageklasse aber noch zu klein, um Anpassungen im weltweiten Devisenmarkt komplett zu absorbieren. 

Auch in der Vergangenheit haben Abwertungen des US-Dollars zu steigenden Krypto-Preisen geführt, insbesondere bei Bitcoin. Führt man sich vor Augen, dass das tägliche Handelsvolumen auf dem Devisenmarkt mehr als US$ 6 Billionen beträgt, könnte schon ein kleiner Liquiditätsabfluss in Krypto-Märkte die Preise massiv ankurbeln. 

Außerdem würden Anleger im Zuge einer Dollarabwertung Dollar-gebundene Stablecoins verkaufen und in andere Krypto-Assets umschichten. Wenn der Dollar-Crash zudem zu sinkenden Aktienpreisen führt, könnte das die Nachfrage nach Krypto-Assets zusätzlich erhöhen, denn die Anlageklasse hat seit März ihre Krisenresistenz unter Beweis gestellt. Sollte Professor Roach mit seiner Crash-Prognose also recht behalten, könnten Krypto-Assets durch den anstehenden Wertverfall des US-Dollars spürbar an Wert gewinnen.