Neue Regelungen zwingen der Blockchain-Industrie einen globalen Standard für den Krypto-Zahlungsverkehr auf. Zielführend ist das zwar nicht, kommen wird es aber trotzdem.

Kryptowährungen: Paulus oder Saulus der Finanzbranche? Während die einen sie als die Zukunft des Geldsystems preisen, warnen andere vor Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. In einer Hinsicht sind sich aber die meisten Beteiligten einig: Blockchain-Märkte brauchen Regeln.

Wie genau diese Regeln jedoch ausgestaltet werden sollen, darüber scheiden sich die Geister. Regulierungen verleihen digitalen Währungen zwar größere Legitimität und tragen somit zur langfristigen Entwicklung des Marktes bei, sie legen Firmen aber auch Fußfesseln an und behindern somit den Fortschritt – oder verlangsamen ihn zumindest. Es geht also darum, einen Mittelweg zu finden.

Auf diesen Mittelweg wollte sich die Financial Action Task Force (FATF) mit neuen Vorgaben hinbewegen. Fragt man allerdings die Blockchain Industrie, dann schießt die im letzten Jahr angekündigte „Travel Rule“ über das Ziel hinaus. Aufgrund dieser Regelung müssen die Sender und Empfänger von Krypto-Transaktionen in Zukunft von digitalen Zahlungsdienstleistern und Börsen identifiziert werden. Das soll Geldwäschern den Hahn zudrehen, aber es widerspricht auch dem Grundgedanken und der Zielsetzung der Technologie. 

Die Travel Rule soll anonyme Transaktionen verhindern  

Die Travel Rule wurde im Juni 2019 angekündigt. Die FATF, eine multinationale Organisation, der 200 Staaten angehören, gab nationalen Regierungen zwölf Monate Zeit, um die neuen Regeln zu implementieren. Rechtlich bindend sind diese Vorgaben zwar nicht, wer sich querstellt, riskiert aber einen Platz auf der Schwarzen Liste, was schwerwiegende Konsequenzen für den heimischen Finanzplatz hätte. 

Im traditionellen Finanzsystem spiegelt sich die Travel Rule im SWIFT-Interbankensystem wider. Dabei hat jede Bank einen Bank Identifier Code (BIC), der die am Zahlungsverkehr beteiligten Banken identifiziert. Außerdem haben der Sender und der Empfänger jeweils eine International Bank Account Number (IBAN). Durch dieses System können Zahlungsströme eindeutig bestimmten Personen und Finanz-Institutionen zugewiesen werden. 

Einen solchen rückverfolgbaren Zahlungsverkehr gibt es bei Kryptowährungen bislang nicht, denn Wallet-Adressen sind anonym und auf vielen digitalen Börsen müssen bei der Registrierung keine Ausweisdokumente vorgewiesen werden. Da ein anonymes System zum Missbrauch einlädt, sah die FATF Handlungsbedarf.

Alte Lösungen für eine neue Technologie

Die FAFT spricht durchaus eine Herausforderung des Krypto-Marktes an. Die Travel Rule als vorgeschlagene Lösung scheint jedoch übereilt, denn sie wird den Besonderheiten der neuen Technologie nicht gerecht. 

Kryptowährungen sind Fiat-Währungen nämlich vor allem deshalb überlegen, weil sie effizientere, schnellere, und kostengünstigere Transaktionen ermöglichen. Eine Informationspflicht bei Transaktionen von Krypto zu Krypto behindert diese Effizienz und damit die Entwicklung des Marktes für Kryptowährungen. Die höheren Compliance-Kosten könnten außerdem zur Schließung zentraler Börsen führen und kriminelle Machenschaften an unkontrollierbare Schattenbörsen überführen. 

Investorenschutz und die Verhinderung von Geldwäsche wird mit der Einführung der Travel Rule deshalb nur bedingt erreicht. Stattdessen sollten sich Regulierungsbehörden auf die Überwachung von Fiat-Gateways beschränken, sprich immer dann, wenn Fiat-Geld in den Krypto-Markt fließt oder dem Markt entzogen wird. 

SWIFT für Krypto: globaler Standard für den Krypto-Zahlungsverkehr  

Diskussion hin oder her, die Frist läuft im Juni 2020 ab und die Blockchain-Industrie arbeitet an Lösungsansätzen. Das Resultat wird vermutlich einer Art “Swift für Krypto” ähneln. Die InterVASP Gruppe, ein Zusammenschluss verschiedener Blockchain-Firmen und Organisationen, entwirft dazu einen globalen Standard, der von Zahlungsdienstleistern und Börsen zum Geldtransfer verwendet werden kann. 

Die gute Seite dieser Entwicklung ist, dass damit der Vorwurf, Krypto sei ein Werkzeug für Geldwäscher, wohl endgültig aus der Welt geschafft werden kann. Denn die überwiegende Anzahl aller Krypto-Anleger wollen doch im Grunde nur eines: Ein Asset mit einem attraktiven Rendite-Risiko-Profil, das unkorreliert zu anderen Anlageklassen ist und damit optimal in ihr Portfolio passt. Anonymität und FATF-Regelungen interessieren die meisten Anleger nicht.