Bei Banken kostet Sparen heute oft Geld, doch das muss nicht so sein. DeFi-Konten bieten attraktive Zinsen und je nach Anbieter auch hohe Sicherheit. Wie das neue Sparen funktioniert und welche Hürden Anbieter überwinden müssen.

Die Niedrigzinspolitik der letzten Jahre hat das Sparen nicht attraktiver gemacht. Seit die Zentralbanken im Zuge der COVID-Krise den Leitzins auf nahe Null gesenkt haben, können selbst die attraktivsten Sparkonten kaum noch die Inflation ausgleichen. In der Eurozone haben viele Banken sogar negative Zinsen eingeführt. Sparen kostet heute Geld. 

Das Problem der Sparkonten ist, dass sie unmittelbar an die Geldpolitik gebunden sind. Deshalb wird sich an der niedrigen Verzinsung in den nächsten Jahren wohl auch nichts ändern und Sparen wird auf lange Sicht unattraktiv bleiben.

Defi: eine Alternative für Sparer 

Dezentralisierte Sparkonten können eine Alternative bieten. Die Zinsen sind zumindest hoch genug, um die Inflation auszugleichen, ohne dabei hohe Risiken wie beispielsweise im Aktienmarkt einzugehen. 

Decentralized Finance („DeFi“) ist eines der am schnellsten wachsenden Segmente der Blockchain-Industrie. Dazu zählen zum Beispiel dezentralisierte Investment-Plattformen, Lending Tokens und eben auch dezentralisierte Sparkonten.  

Für viele ist DeFi aber noch immer ein rotes Tuch, denn schon allein der Begriff klingt nach Techno-Anarchie und regulatorischer Unsicherheit. Und zum Teil stimmt das auch. 

Grob kann man Defi in zwei Denkrichtungen einteilen: Manche Plattformen zielen darauf ab, durch maximale Dezentralität ein neues Finanzsystem zu schaffen, das parallel zum bestehenden Fiat-Geldsystem funktionieren soll. Andere versuchen, das bestehende Produkt- und Serviceangebot der Finanzindustrie zu erweitern und Systeme durch Blockchain-Infrastruktur effizienter zu gestalten.

Für Sparer ist insbesondere die zweite Art von Plattform interessant, denn der gewöhnliche Sparer möchte sein Geld in einem regulierten und abgesicherten Umfeld wissen. Komplett dezentralisierte Plattformen sind für die meisten Menschen hingegen nicht transparent genug und eher eine Art Cyber-Borg-Abenteuer als eine Alternative zur Sparkasse.

Anbieter müssen regulatorische Sicherheit schaffen

Dezentralisierte Sparkonten sind meist lukrativer als ihre zentralisierten Gegenspieler. Dabei müssen Sparer auch keine Volatilitätsrisiken eingehen, wie zum Beispiel mit Bitcoin oder Ethereum. Stattdessen legen sie Stablecoins an – Kryptowährungen, die an eine Fiat-Währung wie USD oder EUR gebunden sind – und erhalten dafür Zinsen. 

Verzinsung verschiedener Sparkonten; aktuelle Daten hier

Die Herausforderung der Anbieter besteht darin, eine neue Art des Sparens in einer Wirtschaftsordnung einzuführen, die für ein Fiat-Geldsystem entworfen wurde. Wer Fiat-Geld in einem Bankkonto spart, kann sich beispielsweise auf die Einlagensicherungssysteme des jeweiligen Landes verlassen.  

Immer mehr dezentralisierte Applikationen versuchen deshalb, sich in das bestehende regulatorische Umfeld einzufügen, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Außerdem arbeiten sie mit zertifizierten Verwahrdienstleistern zusammen, ähnlich wie Banken, und bieten private Versicherungen, um für die fehlende gesetzliche Einlagensicherung zu kompensieren. All das geht zwar auf Kosten der Dezentralisierung, schafft für den Sparer aber einen verlässlichen Rechtsrahmen.

Auch institutionelle Anleger nutzen die Vorteile des DeFi-Sparens. Hedgefonds können zum Beispiel ihre liquiden Mittel kurzfristig in Stablecoins absichern, ohne dabei komplett auf Rendite verzichten zu müssen. 

Die Niedrigzinspolitik ist auf absehbare Zeit in Stein gemeißelt. Herkömmliches Sparen ist damit keine Alternative mehr und Sparer müssen sich entscheiden, ob sie ihr Geld in riskante Assets investieren wollen, oder ob sie neue Wege gehen wollen: DeFi kann hier eine attraktive Alternative bieten.