Der Markt für Krypto-Derivate ist stark gewachsen. Für Privatanleger ist das mit Risiken verbunden. 

Derivate mit Krypto-Assets als Basiswert erfreuen sich seit 2018 großer Beliebtheit – auch in Deutschland. Laut Angaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sei das Handelsvolumen deutscher Privatanleger zwischen August 2018 und Januar 2019 um fast 72 % gestiegen. 

Bei solchen Derivaten handelt es sich sowohl um ungehebelte Produkte als auch um Hebelprodukte. Derzeit führt die BaFin eine Marktbefragung durch, um das Potenzial und die Risiken des Krypto-Derivatemarktes einzuschätzen und gegebenenfalls neue Regulierungen einzuführen. 


Derivate für Privatanleger: 72% verlieren Geld

Der Krypto-Derivatemarkt ist in den letzten beiden Jahren stark gewachsen. Nach dem Marktcrash im Dezember 2017 wurde deutlich, dass Anleger Instrumente brauchen, um sich gegen Abwärtstrends zu schützen. Aus dem gleichen Grund gehören Derivate auch auf traditionellen Finanzmärkten zum Standardrepertoire institutioneller Anleger, warum also nicht auch auf Krypto-Märkten?

Derivate sind zwar vor allem ein institutionelles Anlageprodukt, sie werden aber auch im Bereich der Privatanleger genutzt – wenn auch nicht im gleichen Umfang wie in institutionellen Handelshäusern. Der vergleichsweise geringe Kapitalbedarf beim Derivatehandel kann jedoch auch für Privatanleger interessant sein.

Auf der führenden Krypto-Derivatebörse BitMEX müssen Anleger derzeit nur 1 % des Gesamtvolumens als Sicherheit hinterlegen. Sprich, wer eine Long Position in Bitcoin im Wert von 1 Million Euro eröffnen will, braucht dafür nur 10.000 Euro. Auf der Chicago Mercantile Exchange (CME), einer der größten etablierten, regulierten Derivatebörsen der Welt, müssen Anleger 37 % des Gesamtvolumens hinterlegen, wenn sie einen Bitcoin Future kaufen wollen. 

Diese Hebelwirkung ist attraktiv, birgt aber auch hohe Risiken. Wer auf der Webseite der Saxo Bank CFDs kaufen will, der wird gewarnt: „Verluste können die hinterlegten Sicherheiten übersteigen. Bitte stellen Sie sicher, dass Sie die Risiken betreffend Margin-Produkte vollständig verstehen.“ Und weiter: „72% aller Privatanleger verlieren Geld, wenn sie mit CFDs handeln“ 

Das ist nicht gerade ermunternd. Die BaFin hat also nicht ganz unrecht, wenn sie den Krypto-Derivatehandel unter die Lupe nimmt. Wer beispielsweise bei einer Bank Derivate kaufen will, der muss sich als „Börsenterminfähig“ ausweisen. Vielleicht sollte es auf Krypto-Märkten ähnliche Regeln geben.


Marktmanipulationen sind auf Krypto-Märkten keine Seltenheit

Regulierungsbehörden sollten sich aber auch die Machenschaften mancher institutioneller Anleger etwas genauer anschauen. Heute übersteigt das Volumen des Krypto-Derivate Marktes das des Spotmarktes um ein Vielfaches. Im Jahr 2019 beträgt das Handelsvolumen auf Terminmärkten ca. 10 bis 18 mal mehr als auf dem Spotmarkt. 

Aufgrund der relativ geringen Liquidität der Basiswerte können kapitalstarke Anleger, sogenannte „Krypto-Wale“, die Preise der Basiswerte durch hohe Verkaufsorder manipulieren. Das geschah in der Vergangenheit bereits mehrfach. Dabei platziert ein Krypto-Wal eine hohe Verkaufsorder und drückt somit die Preise in die Tiefe. Gleichzeitig wettet er auf dem Terminmarkt mittels Short-Positionen auf fallende Preise. 

Die Opfer diese Preismanipulationen sind oftmals Privatanleger, die nicht wissen, was passiert. Der Krypto-Markt hat sich im Vergleich zu 2016 und 2017 eben stark verändert. Der so oft gepriesene Markteinstieg institutioneller Anleger hat zwar viele gute Seiten, er macht es für Privatanleger aber nicht unbedingt leichter.