Das Inflationsgespenst erscheint in jeder Krise. Auch heute geistert es wieder durch die Medien: Das Argument ist das gleiche wie 2008: Die Markteingriffe der Zentralbank würden zu Inflation führen. Was ist dran, alles Panikmache?

Was bisher geschah: Aufgrund der Coronavirus-Quarantäne bricht bei vielen Firmen Umsatz weg. Vor allem die Reisebranche ist betroffen, aber auch viele andere Industrien. Aufgrund rasanter Umsatzrückgänge stecken viele Firmen in einer Liquiditätskrise fest.

Das bringt Risiken für die Finanzstabilität. Sollten Banken massenweise Kreditausfälle verzeichnen, könnten sie ihren Liquiditäts-Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Im schlimmsten Fall könnte zu einer Bankenpleite führen. Erinnerungen an Lehman Brothers werden wach. 

Um das zu verhindern, stellen Notenbanken und Regierungen billiges Geld zur Verfügung, mittlerweile sogar umsonst, zu Nullzinsen. Darüber hinaus kaufen sie Wertpapiere, um Geld in das Finanzsystem zu pumpen. Durch diese expansive Geldpolitik wird die Geldmenge erhöht. 

Da nun mehr Geld vorhanden ist, fürchten manche, die Preise könnten steigen, da das Gleichgewicht zwischen Geld-und Gütermenge langfristig verloren gehen könnte. 

Konsum- und Vermögenspreise: ein wichtiger Unterschied 

In puncto Inflation muss man zwischen Konsum- und Vermögenspreisen unterscheiden. Konsumpreise – zum Beispiel für das Brot beim Bäcker – sind in den letzten Jahren kaum gestiegen. Im Gegenteil. Seit der Finanzkrise 2008 hatten die Notenbanken der USA und der Eurozone eher mit deflationären Tendenzen zu kämpfen. 

Das liegt zum einen daran, dass die zirkulierende Geldmenge in den letzten Jahren trotz expansiver Geldpolitik kaum gestiegen ist. Banken geben das billige Zentralbankgeld nämlich aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit nur begrenzt in Form von erhöhter Kreditvergabe an die Realwirtschaft weiter. 

Außerdem sind Konsumpreise mehr vom Vertrauen in die Währung abhängig als von der Geldmenge. Wenn Konsumenten auf den Wert des Geldes vertrauen, können Unternehmen ihre Preise nicht erhöhen, da sie sonst ihren Absatz verlieren. 

Vermögenspreise sind in den letzten Jahren hingegen massiv gesteigen. Der S&P 500 hat in den 10 Jahren nach der Finanzkrise um fast 300 % zugelegt. Auch Immobilien sind in vielen Ländern im Vergleich zur Kaufkraft und zur Lohnentwicklung maßlos überbewertet. Diese Form der Blasenbildung ist gefährlich für die Finanzmarktstabilität.

Kryptowährungen als Systemausfallversicherung 

Zurück zur Ausgangsfrage: Wie real ist das Inflationsgespenst? 

Im Fall von Konsumentenpreisen ist die Inflationsangst eher wengier begründet. Wir werden auch 2020 nicht mit einer Schubkarre voller Geldscheine zum Bäcker fahren müssen. Die Zentralbank schwächt durch die niedrigen Zinsen aber womöglich das Vertrauen in die Währung. Das könnte dann tatsächlich in Form einer selbsterfüllenden Prophezeiung langfristig zu steigender Inflation führen. 

Im Hinblick auf Vermögenspreise ist die expansive Geldpolitik aber durchaus bedenklich. Blasen am Finanzmarkt können zu rasanten Preisverfällen führen (wie zum Beispiel jetzt) und es wird schwieriger, Preisprognosen aufzustellen. Dadurch werden Investments immer mehr zu einer Art Glücksspiel.

Vor allem die Angst vor Blasenbildung könnte deshalb langfristig zu verstärkter Nachfrage nach Kryptowährungen führen, denn diese sind von staatlicher Geldpolitik weitgehend unabhängig. Dabei geht es vor allem darum, ob Anleger an Kryptowährungen als Wertspeicher glauben. Falls ja, könnten Kryptowährungen als eine Art Systemausfallversicherung selbst einen Platz im Portfolio konservativer Anleger finden.