Mit Euro-Token könnte die Regierung unbürokratische und schnelle Wirtschaftshilfen bereitstellen. Die Idee stößt in Regierungskreisen auf Anklang. Ist sie der Beginn einer staatlichen Blockchain-Infrastruktur?

Es könnte der Anfang einer Erfolgsgeschichte sein: In Regierungskreisen wird derzeit über Euro-Token diskutiert, um während der Coronakrise Liquiditätshilfen zu verteilen. Damit könnte die Regierung neben den über die KfW bereitgestellten Krediten direkt und unbürokratisch finanzielle Unterstützung zur Verfügung stellen. 

Eigentlich ist die Idee recht einfach. Anstatt ein bürokratisches und aufwendiges Verfahren zur Beantragung von Fördermitteln zu durchlaufen, könnten Unternehmen sich über eine Blockchain identifizieren und die Hilfen digital beantragen. Sollte das Unternehmen zu Staatshilfen berechtigt sein, könnten die Euro-Token sofort, automatisiert, transparent und unbürokratisch zur Verfügung gestellt werden. Somit würden Kosten gespart und Bearbeitungszeiten erheblich gekürzt werden.

Notkredite und Konsumgutscheine auf der Blockchain 

Durch Euro-Token könnte die Regierung nicht nur Liquiditätshilfen an Unternehmen schnell auszahlen, sondern auch Konsumgutscheine an Bürger verteilen. Damit könnten gezielte nachfrage-stimulierende Effekte erzeugt werden. Was andernfalls ein bürokratischer Albtraum wäre, könnte mittels einer Blockchain mit relativ geringem Aufwand abgewickelt werden. 

Außerdem könnten solche Hilfen auch Menschen erreichen, die nicht über ein Bankkonto verfügen, beispielsweise, weil sie keine Ausweisdokumente besitzen. Sie könnten zum Beispiel über Poststellen digitale Wallets bekommen, um auch ohne Bankverbindung Konsumgutscheine zu erhalten. Eine ähnliche Idee wurde letzte Woche in den US-Kongress zur Diskussion eingebracht. Dort war bereits vom digitalen Dollar die Rede. 

Blockchain wird in Regierungskreisen beliebter 

Auch die Digitalministerin Dorothee Bär findet diese Idee gut, nicht nur für die Krise, sondern auch langfristig. “Blockchain-basierte Identitäten könnten ein deutschlandweites Unternehmenskataster möglich machen, so dass insbesondere kleinere Unternehmen schneller und einfacher an staatlichen Programmen teilnehmen könnten“, sagte Bär im Handelsblatt.

Genauso findet auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Heilmann, die Regierung sollte Euro-Token “unbedingt fördern, weil wir daraus lernen könnten und bei digitalen Identitäten endlich weiter kämen.”

Aus dem Finanzministerium heißt es dazu: „Die Idee, mögliche direkte Staatszuschüsse an Unternehmen und Verbraucher aus dem Staatshaushalt über eine Blockchain-Lösung auszubezahlen, ist uns bekannt und wird derzeit geprüft.”

Kurzum: Blockchain ist in Regierungskreisen derzeit ein Thema. Ob ein solches System noch in dieser Krise zum Einsatz kommen wird, ist fraglich. Die Lehren aus der Krise könnten aber zum Aufbau einer solchen Infrastruktur führen. 

Langfristig ist dann noch viel mehr denkbar. So könnten zum Beispiel Sozialhilfen über dieses System verteilt werden, vielleicht legt es auch die Grundlage für einen von der Zentralbank ausgegebenen digitalen Euro.