„Digital Fiat Currency“ heißt eine Patentanmeldung der Visa International Service Association. Der Name ist Programm, denn das Patent zielt auf die Schaffung einer digitalen Zentralbank-Währung ab.

Chinas digitaler Yuan bekommt vielleicht schon bald Konkurrenz: Die Visa International Service Association hat ein Patent für die Erschaffung einer Blockchain-basierten digitalen Währung beim US. Patent and Trademark Office (USPTO) angemeldet. 

Die Unterlagen beschreiben ein System, in dem ein zentraler Computer Zahlungsaufträge registriert, die jeweils bestimmte Seriennummern und Beträge von Fiat-Währungen enthalten. Der Computer würde diese Fiat-Währungen dann aus der Zirkulation entfernen und sie auf eine Blockchain übertragen. Auf diese Weise könnte Fiat-Geld in digitales Geld umgewandelt werden.

Visa führt jeden Tag ca. 100 Millionen Transaktionen durch. Mit dem beschriebenen System könnte die Zentralbank gemeinsam mit Visa ein digitales Währungssystem parallel zum Fiat-Dollar System erschaffen. Das Patent spezifiziert zwar nicht, wer den „zentralen Computer“ steuert, allerdings heißt es im Text: „Die zentrale Entität könnte eine Zentralbank sein, die die Geldmenge steuert.“ 

Es müsste auch nicht auf den US-Dollar beschränkt sein; Visa könnte das gleiche System durchaus auch für andere Währungen nutzen. Die Zusammenarbeit mit der jeweiligen Zentralbank wäre dazu jedoch notwendig, denn wer auch immer das System nutzt, muss rechtlich und operativ dazu in der Lage sein, Fiat-Geld aus der Zirkulation zu nehmen. 

Nach Absage an Libra: Hatte Visa eine bessere Idee?

Das Patent wurde am 08. November 2019 angemeldet, auch wenn die Meldung jetzt erst publiziert wurde. Das Timing ist besonders bemerkenswert, denn nur einen Monat vorher hatte Visa der Libra Association eine Absage erteilt. Libra is die von Facebook geführte Organisation, die einen Stablecoin für den weltweiten Zahlungsverkehr schaffen will, unter anderem auch einen Dollar- und einen Euro-Stablecoin.

Das Patent zum digitalen Dollar legt nun die Vermutung nahe, dass Visa nach dem Austritt aus der Libra Association eigene Anstrengungen unternimmt, auch wenn die Unternehmensführung die Bedeutung des Patents vorerst herunterspielt: „Visa beschäftigt ein Team von Erfindern, die an neuen Technologien im Zahlungsbereich arbeiten“, schreibt Visa in einer Pressemitteilung. „Wir melden jedes Jahr Patente für hunderte von neuen Ideen an.“

Westliche Regierungen lassen dem Privatsektor den Vorrang

Aus Jux und Tollerei wurde dieses Patent aber vermutlich nicht angemeldet. Mit Visa betritt nun ein Payment- Gigant die Arena der programmierbaren Zentralbank-Währungen. 

Prinzipiell wäre Visas Initiative zu begrüßen, vor allem, wenn das Projekt auch die führenden Zentralbanken involvierte. Im Vergleich zu Libra, das erneut Gegenwind von der EZB bekommt, hätte Visa dann deutlich bessere Chancen, das Zahlungssystem von morgen zu erfinden.

Interessant ist auch, dass die EZB und die amerikanische Fed bisher wenig unternommen haben, um eine digitale Zentralbank-Währung auf den Weg zu bringen. Im Gegensatz dazu hat die People’s Bank of China im letzten Monat den digitalen Yuan lanciert. Anders als in China lässt man im Westen also dem Privatsektor den Vorrang.