Januar 2020 war Bitcoins bester Monat seit 2013. Medien und Analysten suchen die Erklärung dafür in der Furcht vor dem Coronavirus. Gibt es einen Zusammenhang?

Mit einem Schlusskurs von $9.335 legte die führende Kryptowährung seit Beginn des Jahres um mehr als 29% zu. Vor allem der Ausbruch des Coronavirus soll den Bitcoin-Preis in die Höhe getrieben haben. Forbes schreibt, der Bitcoin-Preis könnte aufgrund des Coronavirus „explodieren“.

Das Argument ist altbekannt: Bitcoin diene als „Safe-Haven-Asset“ in Zeiten globaler Unsicherheit. Der Ausbruch des Virus könnte negative Konsequenzen für die chinesische Wirtschaft mit sich bringen, weshalb auch der Shanghai Composite Index im Januar starke Kurseinbrüche erlitt. Anleger könnten sich durch Bitcoin-Investments vor solchen Verlusten schützen.

Bitcoin als Safe Haven? 

Nigel Green, CEO der Beratungsfirma deVere Group, argumentiert Bitcoins Preisanstieg sei mit der zunehmenden Verbreitung des Coronavirus korreliert. „Je mehr Krankheitsfälle auftauchten, je mehr Länder davon beeinflusst wurden und je größer der Einfluss auf traditionelle Finanzmärkte war, desto mehr stieg auch der Bitcoin-Preis an“, sagt Green.

Das Argument ergibt durchaus Sinn. Auch die US-Iran Krise Anfang Januar wurde von steigenden Bitcoin-Preisen begleitet. Bitcoin ist zwar kein klassiches Safe-Haven-Asset, da es starken Kursschwankungen unterliegt. Trotzdem kann es als Krisen-Hedge funktionieren, denn der Preis ist mit anderen Anlageklassen unkorreliert und kann daher deren Verluste ausgleichen.

Coronavirus war nicht der alleinige Preistreiber 

Wer die Gründe in China sucht, sollte aber auch auf das Ende des chinesischen Neujahrsfestes schauen. Während der gesamten Neujahrswoche herrschte in China Ausnahmezustand und Milliarden an Geldern wurden auf dem Seitenstreifen geparkt. Sobald die Festivitäten zu Ende waren, zog das Handelsvolumen wieder an. 

Dazu kommen technische Indikatoren: Zum einen wurde im Dezember die Mining Difficulty Bitcoins zum ersten Mal seit zwölf Monaten herabgestuft, was auf weniger Miner und damit auf ein geringeres Angebot im Dezember schließen lässt. Eine Herabstufung der Mining Difficulty wird oft als das Ende eines Bärenmarkets interpretiert. Außerdem geht es jetzt in großen Schritten auf das im Mai anstehende Bitcoin-Halving zu. Dabei wird die Mining-Prämie halbiert und somit das zusätzliche Angebot verknappt.  

Der Ausbruch des Coronavirus könnte also durchaus einen Einfluss auf den Bitcoin-Preis gehabt haben, der Effekt sollte aber nicht überschätzt werden. Stattdessen gab es eine ganze Reihe an Einflüssen, die zusammen zu einem grandiosen Jahresauftakt geführt haben.