Krypto-Trader verwenden überwiegend Chartanalyse, denn im Vergleich zu anderen Anlageklassen gibt es kaum verlässliche Fundamentaldaten. Das führt zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung. 

Widerstandszonen, Unterstützungslinien, Fibonacci-Retracements; das Vokabular der technischen Chartanalyse ist für Laien oft schwer verständlich. Wenn Trader in ihre Graphen Linien und Dreiecke eintragen, dann sieht das zum Teil nach komplizierten mathematischen Berechnungen aus. Dabei ist Chartanalyse eigentlich ganz simpel. 


Zukunftsprognosen auf Basis historischer Kursverläufe

Im Gegensatz zur Fundamentalanalyse, bei der die betriebswirtschaftlichen Daten eines Unternehmens und dessen ökonomisches Umfeld ausgewertet werden, basiert die Chartanalyse auf der Betrachtung historischer Kursverläufe und des Handelsvolumens. 

Der Ansatz basiert auf der Annahme, dass es wiederkehrende, beobachtbare Ereignisse mit jeweils ähnlichen, wahrscheinlichen Zukunftsverläufen gäbe und Kurse deshalb vorhersehbaren Mustern folgten. Somit könne auf Basis historischer Kursverläufe die Zukunft prognostiziert werden. 


Krypto-Trader verwenden überwiegend Chartanalyse

Wer traditionelle Anlageklassen handelt, der zieht meist sowohl technische als auch fundamentale Daten zur Entscheidungsfindung heran. Unter Krypto-Tradern ergibt sich jedoch ein anderes Bild: Hier ist die Chartanalyse deutlich beliebter. Der Grund dafür ist vor allem der Mangel an Fundamentaldaten: Welche fundamentalen Werte sollen denn zum Beispiel den Bitcoin-Preis bestimmen? Ist Bitcoin ein Wertaufbewahrungsmittel, ein Krisen-Hedge, oder eine alternative Währung? So richtig kann man das Asset derzeit noch nicht einordnen.

Analysten versuchen oft, Parallelen zwischen fundamentalen Marktergebnissen und dem Bitcoin-Kurs zu ziehen. Als Bitcoin beispielsweise letzte Woche an Wert verlor, zeigten Analysten mit dem Finger auf die chinesische Zentralbank, die verkündete, in Zukunft stärker gegen Bitcoin vorgehen zu wollen. Ob es allerdings wirklich einen Zusammenhang zwischen den sinkenden Preisen und der Ankündigung aus China gab, ist fraglich. Die realen Konsequenzen eines “härteren Vorgehens” der chinesischen Zentralbank werden sich wohl eher in Grenzen halten. 

Auch steigenden Bitcoin-Preisen wird oft nach fundamentalen Gründen gesucht. Meistens sind die potenziellen Erklärungen aber eher zweifelhaft, denn Bitcoin-Preise werden eben kaum von fundamentalen Daten beeinflusst. Es handelt sich hierbei eher um den Versuch, zwanghaft fundamentale Erklärungen zu finden, auch wenn es diese kaum gibt. 


Herdentrieb verursacht selbsterfüllende Prophezeiungen

Da es kaum fundamentale Daten gibt, verlassen sich die meisten Trader auf die Chartanalyse. Wenn eine Vielzahl an Tradern die gleichen Chart-Indikatoren verwenden und deshalb zu den gleichen Schlussfolgerungen kommen, dann entsteht eine sogenannte “selbsterfüllende Prophezeiung”. 

Wenn beispielsweise genug Trader die $7.000 Marke für einen kritischen Pivotpunkt halten, dann setzen sie ihre Stop-Loss Order so, dass beim Unterbieten von $7.000 verkauft wird. Sobald der Preis dann $7.000 unterschreitet, werden die Verkaufsorder ausgelöst und der Preis sinkt weiter in die Tiefe. Somit hatten die Chartindikatoren recht und die Prophezeiung hat sich selbst erfüllt. Genau das ist letzte Woche vermutlich auch mit Bitcoin passiert – mit der chinesischen Zentralbank hatte das eher wenig zu tun.

Im Prinzip ist es ganz einfach: Da die meisten Krypto-Trader die Chartanalyse einsetzen, sehen sie die gleichen Indikatoren und verwenden dementsprechend die gleichen Tradingstrategien. Deshalb sollten aktive Anleger entweder die Charttechnik verstehen oder ihr Portfolio einem professionellen Asset-Manager überlassen.