Asset-Korrelationen sorgen unter Portfoliomanagern oft für Verwirrung, vor allem in Krisenszenarien. Auch Bitcoin verhielt sich Anfang 2020 anders als vorhergesehen. Was wir aus der Krise über Bitcoins Korrelation mit dem Aktienmarkt lernen können.

Bitcoin hat viele Gesichter: Für die einen ist die Kryptowährung der Vorbote einer techno-anarchischen Gesellschaft, frei von staatlichem Einfluss und geldpolitischer Manipulation. Für andere ist Bitcoin ein Investment-Vehikel, das herausragende Renditen verspricht und der Portfoliodiversifikation dient.

Für Anleger sind insbesondere die letzten beiden Eigenschaften des führenden Krypto-Assets interessant. Die risikoadjustierte Rendite Bitcoins, gemessen an der Sharpe Ratio, übertraf in den letzten Jahren Aktien, Anleihen, Immobilien und Rohstoffe. Bitcoins Rolle als Portfolio-Diversifikator ergibt sich hingegen vor allem aus der geringen Korrelation des Assets mit anderen Anlageklassen. 

Zusammenhänge sind nicht immer offensichtlich 

Während der letzten elf Jahre seit Bitcoins Markteinführung war die Korrelation zwischen Bitcoin und dem S&P 500 nahe Null. Das heißt, die Renditen Bitcoins und die des S&P 500 bewegten sich unabhängig voneinander. Das gleiche galt auch für andere Anlageklassen: Bitcoin war mit Immobilien, Anleihen und Rohstoffen weitgehend unkorreliert. 

Das änderte sich Anfang 2020, als Bitcoins Korrelation mit dem Aktienmarkt auf ein Rekordhoch stieg. Als Aktien im März und April aufgrund der COVID-Pandemie schockartig an Wert verloren, lag die Korrelation zwischen Bitcoin und dem S&P 500 bei fast Eins – das heißt, die Renditen von Bitcoin und Aktien bewegten sich in die gleiche Richtung.

Dass sich historische Korrelationen während Krisen plötzlich ändern, ist typisch. Oft sind die Zusammenhänge jedoch nicht offensichtlich, denn unerwartete Ereignisse beeinflussen plötzlich Assets, die bislang unkorreliert waren. 

Letzte Woche hat beispielsweise der US-amerikanische Herrenausstatter Brooks Brothers Insolvenz angemeldet. Das könnte Auswirkungen auf Zulieferer haben, zum Beispiel auf Stoff-Produzenten in Bangladesch oder Indien – diese Korrelation leuchtet soweit ein. Was aber weniger einleuchtet, ist, dass einer dieser Stoffproduzenten vielleicht einem wohlhabenden Investor gehört, der gleichzeitig in ein Londoner Tech-Startup investiert sein könnte. Der plötzliche Liquiditätsengpass des Investors könnte dann eine Finanzierungsrunde verzögern und somit auch die Zukunft des Tech-Startups gefährden.

Dieser Zusammenhang ist zwar hypothetisch, er könnte sich so aber durchaus in der Realwirtschaft abspielen. Der Punkt ist, dass niemand die Verbindung zwischen einem amerikanischen Herrenausstatter und einem Londoner Tech-Startup voraussagen konnte, geschweige denn, in einem ökonomischen Modell einbinden. Solche versteckten Kausalitätsketten zeigen sich oft erst in Krisensituationen. 

Bitcoins Korrelation zum Aktienmarkt wird weiter sinken

Auch bei Krypto-Assets gibt es solche Kriseneffekte. Die Liquidität im Krypto-Markt ist nach wie vor gering. Wenn ein Investor mit großem Marktanteil beispielsweise aufgrund der COVID-Krise einen gewichtigen Teil seines Aktienportfolios verliert, sieht er sich möglicherweise genötigt, seine Bitcoins zu verkaufen. Das plötzlich erhöhte Angebot würde dann einen Preisverfall verursachen, die Stopp-Loss-Order vieler Trader würden ausgelöst und eine Abwärtsspirale würde in Gang gesetzt. 

Genau das geschah im März und April, weshalb dann auch die Renditen zwischen Bitcoin und dem S&P 500 stark miteinander korrelierten. Nach der Krise, als der Liquiditätsschock überwunden war, erholte sich Bitcoin jedoch deutlich schneller als der Aktienmarkt und auch die Korrelationen nahm wieder ab. 

Heute liegt die Korrelation zwischen Bitcoin und dem S&P 500 unterhalb 0.5 und sie wird sich in den nächsten Monaten weiter abflachen und zu ihrem langfristigen Durchschnittswert zurückkehren.

Das Argument, das vor der Krise galt, gilt somit auch nach der Krise: unkorrelierte Krypto-Assets eignen sich zur Portfoliodiversifizierung. In der Krise verlieren sie zwar auch an Wert, aber das gilt für alle Anlageklassen, denn in der Krise tendieren alle Korrelationen gegen Eins. Es kommt vielmehr darauf an, wie sich die jeweiligen Anlageklassen nach der Krise verhalten.