Bitcoins rasantes Comeback löst erneut Euphorie unter Krypto-Anlegern aus. Basiert der Preisanstieg auf fundamentalen Daten oder handelt es sich um reinen Hype?

„Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und sei gierig, wenn andere ängstlich sind“ – so lautet Warren Buffetts berühmter Anlagetipp. Was vor 20 Jahren galt, gilt auch heute noch. 

In den letzten Wochen hat Bitcoin wieder stark an Wert gewonnen und sich von seinem Dezember-Tief erholt. Heute Morgen lag der Preis bei $8.830, etwa $2.000 mehr als im Dezember. Mit dem besten Jahresauftakt seit 2012 feiern Krypto-Enthusiasten den Bullenmarkt. Doch hier ist Vorsicht angesagt: Euphorie war noch nie ein zuverlässiger Preis-Indikator.

Das Bitcoin-Halving ist kein Garant für steigende Preise 

Die gute Stimmung ist nicht ganz unberechtigt. Mehrere Indikatoren weisen auf einen Aufwärtstrend hin: Das im Mai anstehende Bitcoin-Halving wird das Angebot an Bitcoins reduzieren, was sich positiv auf die Preisentwicklung auswirken könnte. 2019 sind außerdem verstärkt institutionelle Anleger in den Markt eingetreten, denn Regulierungen und der Ausbau der Markt-Infrastruktur schreiten voran. Größere institutionelle Nachfrage könnte im Jahr 2020 den Bitcoin-Preis und die Liquidität weiter in die Höhe treiben. 

Experten raten jedoch zur Vorsicht. „Mehrere Indikatoren deuten auf einen steigenden Bitcoin-Preis im Jahr 2020 hin“, sagt Frank Wagner, CEO des Blockchain Investment Managers INVAO. „Es ist jedoch nicht klar, wie viel von diesen Effekten bereits im heutigen Bitcoin-Preis enthalten sind. Anleger sollten sich im Jahr 2020 deshalb vorwiegend auf das Risikomanagement konzentrieren.“

Außerdem ist der jüngste Bitcoin-Anstieg zum Teil auf temporäre Effekte zurückzuführen, wie den US-Iran-Konflikt und die Einführung von Bitcoin-Optionen an der Börse CME. Beides führte zu einer erhöhten Nachfrage nach Krypto-Assets, aber dieser Effekt könnten in den kommenden Wochen auch wieder verfliegen. 

Risikomanagement ist Top-Priorität für Krypto-Anleger im Jahr 2020 

Eine Twitter-Umfrage des Investors und Ökonomen Alex Krüger ergab, dass 75% der Umfrageteilnehmer an eine Verdoppelung des Bitcoin-Preises noch in diesem Jahr glauben. Fast die Hälfte der Teilnehmer denkt außerdem, dass der Preis die $20.000-Marke überschreiten würde. 

Quelle: Twitter 

Wenn Anleger die Dollarzeichen in den Augen haben, dann sollten die Alarmglocken läuten, denn die Meinung der Masse ist oft wenig verlässlich. Vor allem Privatanleger verlieren in Hype-Phasen oft Geld, zum Beispiel während des 2017-Crashes – oder im Dezember 2018, als Bitcoin bei rund 3.000 Dollar seinen jährlichen Tiefststand erreichte und die allgemeine Marktstimmung negativ war. Wenige Wochen später schnellte Bitcoin massiv in die Höhe und erreichte im Juni den Jahreshöchststand von $14.000.

Ein weiterer Grund zur Vorsicht: CNBC lobt Bitcoin wieder in den Himmel! Während des Krypto-Winters 2018 erlangte CNBC durch amateurhafte Vorhersagen den Ruf des schlechtesten Krypto-Orakels. Da CNBC nun einen Bitcoin-Preis von $16.000 bis zum Jahresende unterstützt, sollten Anleger das vielleicht als Verkaufssignal bewerten. 

Ganz egal, ob man die glanzlose Bilanz von CNBC als Indikator nutzen möchte oder nicht, die Botschaft ist eindeutig: Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und sei gierig, wenn andere ängstlich sind! Risikomanagement sollte in den kommenden Monaten das Hauptaugenmerk der Krypto-Anleger sein.